Man sollte es nicht für möglich halten, aber seit ich in einem großen Medienhaus arbeite, bekomme ich weniger vom Weltgeschehen mit als je zuvor. Gestern z.B., als alle Welt nach London blickte und sich Aviophobe hektisch die feuchten Hände rieben, war ich zu verschiedenen Gesprächen im Pressehaus der Westfalenpost in Hagen. (Einer der großen Vorteile meines neuen Jobs: Ich lerne ganz neue Ecken in NRW kennen.) Ich bin zwar täglich mindestens 12 Stunden irgendwo im Konzern unterwegs, aber viel zu selten an meinem eigenen Schreibtisch, um wie sonst immer die Nachrichtenlage im Blick zu behalten (vom regelmäßigen Bloglesen ganz zu schweigen). Statt dessen versuche ich, möglichst viele Menschen aus den unterschiedlichsten Abteilungen kennenzulernen, um mir einen ersten Überblick zu verschaffen, wer wie in das neue Projekt involviert werden sollte / könnte und wo sich noch Menschen mit interessanten Ideen versteckt halten (fast überall).
Gelegentlich kommt auch Besuch von außerhalb vorbei, wobei Frank die Meßlatte für künftige Gäste verdammt hoch gelegt hat. Er hatte sich für die Mittagszeit angekündigt und fragte, ob wir essen gehen wollten. Die Kantine schien mir zu laut für ein entspanntes Gespräch und der Italiener gegenüber, der einzige Laden, den ich hier bislang kenne, befindet sich immer noch in den Sommerferien. Also reiste Frank kurzerhand mit einem Picknickkoffer an und tischte zum großen Erstaunen aller Anwesenden selbst auf. Ich fürchte, die großartige Frau L. und ich könnten uns sehr schnell daran gewöhnen. Vielleicht sollte man parallel zu den neuen Online-Aktivitäten auch eine neue Meetingkultur einführen (was die Popularität der künftigen Onlineredaktion sicherlich immens steigern würde). Wenn ich bloß wüßte, wessen Abteilung das Budget ...

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