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2006-08-23 - 23:18 - Hundstage

Ich wurde ja langsam mißtrauisch, weil alles so glatt und für meine Verhältnisse verdächtig katastrophenfrei vonstatten ging in den letzten Tagen – und ich sollte recht behalten. Der Montag verlief nämlich schon früh nicht mal ansatzweise so wie geplant. Den Zug zu nachtschlafender Zeit habe ich problemlos erwischt, der zweibeinige Begleiter fand sich auch pünktlich an Bord ein und wir konnten trotz der Unzeit so etwas wie Konversation betreiben, aber dann begann der bis dahin friedlich neben mir schlafende Hund plötzlich wie wild zu zucken. Er hatte eine Art Krampfanfall und zappelte unkontrolliert vor sich hin, während die Augen irgendwo im Kopf verschwanden und die Zunge zwischen die Zähne geklemmt wurde.

Er zitterte später noch eine ganze Weile, verteilte von mir zunächst unbemerkt seinen Mageninhalt im Flur, während ich versuchte, so etwas wie ein funktionierendes Handynetz zu finden, um den Tierarzt anzurufen. Wenn man sich angesichts eines kranken Hundes schon so dermaßen elend und verzweifelt fühlt, möchte ich gar nicht wissen, wie es besorgten Eltern kranker Kinder geht. Meine Eltern konnten das zum Glück sehr gut verstehen und erklärten sich sofort bereit, mich vom Zug abzuholen und zum Tierarzt zu chauffieren. Besagter Tierarzt veranstaltete dann alles mögliche mit dem höchst unglücklichen Monster und befand schließlich, der Hund habe Herzrhythmusstörungen und einen erhöhten Cholesterinspiegel. Daher auch der Kollaps, ausgelöst vermutlich durch Aufregung, der wohl eine einmalige Angelegenheit bleiben würde.

Ich blieb mißtrauisch. Aufregung? Welcher Aufregung ist ein schlafender, bahnfahrterprobter Hund ausgesetzt? Und wenn man von erhöhtem Cholesterinspiegel einen derartigen Anfall bekommt, warum sehe ich dann nicht an jeder zweiten Straßenecke unkontrolliert zuckende Mitbürger? Abends hatte der Hund dann prompt den nächsten Anfall. Er schlief friedlich neben mir auf dem Sofa und fiel dann ganz plötzlich wild zuckend auf den Fußboden. Nachdem die Zuckungen und das Erbrechen vorbei waren, rannte er mehrere Minuten wie eine Aufziehpuppe hektisch, aber ziellos durch die Gegend.

Mittlerweile benimmt er sich wieder wie sonst auch, soll heißen er klaut Essen, sobald man zwei Sekunden nicht aufpaßt, kämpft wilde Schlachten mit dem elterlichen Dackel und schläft jetzt grad zufrieden auf meinem Schoß, aber die Sorge bin ich deshalb noch lange nicht losgeworden.

Sommerhund.jpg
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