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2006-09-05 - 01:54 - Wider die Apfelkucheninitiative

Vielen Dank für die zahlreichen Emails mit Ratschlägen und Tierarztadressen. Bislang ist immer noch unklar, was genau die sonderbaren Anfälle ausgelöst hat, aber zum Glück ist der Hund seither völlig beschwerdefrei. Ganz im Gegensatz zu mir. Ich leide an chronischer Übelkeit und fühle mich zwanghaft zu lila Kleidungsstücken hingezogen, seit ich keine Zeitung und kein Magazin mehr aufschlagen kann, ohne sofort auf Eva Hermans steinzeitliche Heim-an-den-Herd Frauenzwangsbeglückungskampagne zu stoßen (ich wünschte, sie wäre schon vor 20 Jahren zu diesen Einsichten gelangt). Da hilft es nur wenig, daß die meisten Autoren Frau Hermans Apfelkucheninitiative ebenso wenig abgewinnen können wie ich und sich nicht eben positiv über die Kollegin äußern.

Zum Glück falle ich wenigstens nicht in die Hermansche Zielgruppe, da ich den Gebärzenit (zwischen 20 und 30) bereits erfolgreich überschritten habe und ohnehin hoffnungslos der gesellschaftlich wie privat sicherlich ruinösen Indoktrination von Frau Schwarzer verfallen bin. Und ich glaube immer noch, daß dieser erschreckende ideologische Rückfall in die unseligen 50er Jahre dem Feminismus eher zugute kommen wird, weil er den Widerspruchsgeist in den Frauen regt, die solche Themen längst für erledigt gehalten hatten. Trotzdem kann ich den Tag nicht erwarten, an dem Frau Herman nicht nur aus der Tagesschau, sondern auch aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet und in irgendeinem Winkel des Netzes ein Still- und Strickblog eröffnet (sorry, Sibylle).

Ich hoffe aber vor allem, daß sie sich von der nachfolgenden Generation fern hält, denn da scheint mir ohnehin einiges im Argen zu liegen. Am Wochenende war ich zu einem sehr schönen, wenngleich furchtbar verregneten Sommerfest geladen, das neben Hüpfburg, Clowns und Luftballonverknoter auch einen Tischkicker zur Unterhaltung des Nachwuchses vorgesehen hatte (die Erwachsenen bekamen Flamenco zum Abendessen serviert). Weil daran noch ein Platz frei und ein mir bekanntes Gesicht grad nicht zu entdecken war, wollte ich den kleinen, kriegsbemalten Jungen zu meiner Linken freundlich unterstützen. Der aber musterte mich abschätzig von oben bis unten und befand dann: „Du bist ein Mädchen. Du darfst hier gar nicht mitspielen. Das hier ist nur etwas für uns Jungs. Du mußt da hinten zu dem Tisch gehen und dir von der Frau mit den blonden Haaren rosa Glitzer ins Gesicht schmieren lassen.“ Weil die Schlange bei den Getränken deutlich kürzer war als die vor dem Glitzertisch, habe ich mich mit einem einigermaßen geschlechtsneutralen Glas Wein über den Tiefschlag hinweg getröstet. Wenn ich stricken könnte, würde ich dem Nachwuchs-Herman zu Weihnachten eine rosa Glitzermütze schenken.

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