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Blogtalk Reloaded

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2006-09-13 - 23:29 - Von Essen über Viersen nach Wien

Da mein Blog ein furchtbar egozentrisches Privatvergnügen ist, dessen Texte sich zu einem nicht unbeträchtlichen Teil um meinen völlig bedeutungslosen Alltag drehen, dieser Alltag neuerdings aber sehr häufig aus Bahnfahren besteht, müsst Ihr heute eine weitere Bahngeschichte verkraften. Aber keine Sorge, ich erspare Euch die minutiöse Schilderung meines einstündigen Zwangsaufenthalts heute auf dem Bahnhof in Viersen, der zwar vier Gleise, zwei kaputte Anzeigentafeln und einen zaghaften Graffiti-Versuch, aber keine Bahnhofstoilette hat, weshalb ortskundige Wartende gern einen Spaziergang in das nahe Gebüsch antreten.

Gänzlich ersparen werde ich Euch Bahngeschichten wahrscheinlich auch bei der Bloglesung in Wien am 1. Oktober, zu der Ihr natürlich herzlich eingeladen seid:

wienerherbsta2400.jpg

Dafür müßte Ihr heute noch mal tapfer sein, denn die Bahn konnte dank eines einzelnen, sehr auskunftsfreudigen Schaffners gestern auf der Fahrt von Düsseldorf nach Essen punkten. In Richtung Essen geht derzeit nämlich gar nichts, zumindest nicht pünktlich. Die Erklärung lautet wahlweise „Baustelle“ oder „Störung im Betriebsablauf“, was so ziemlich dasselbe sein dürfte und für Kunden eine Verspätung von nicht unter 20 Minuten bedeutet. Der ICE war schon mit plus 30 Minuten angekündigt, weshalb ich mich spontan für den halbwegs pünktlichen Regionalexpress entschied, um überhaupt noch eine Chance zu haben, rechtzeitig zum nächsten Termin zu kommen.

Dieser gute Plan wurde kurz vor Mühlheim vereitelt, als der Zug aus ungeklärten Gründen auf freier Strecke hielt und hielt und hielt. Der Feldwaldundwiesenhalt hat so lange gedauert, daß der Schaffner irgendwann eingeschlafen sein muß. Er schreckte hoch, als der Zug anfuhr und verkündete hektisch um 16:21 Uhr über die Lautsprecheranlage: „Um 16:01 Uhr erreichen wir Mühlheim Hauptbahnhof, nächster Halt ...“ Kurze Pause. Dann „ach nee, geht ja gar nicht, war ja schon. Also nicht Mühlheim, das kommt erst noch, sondern 16:01 war schon. Ähm, nun ja, ich melde mich wieder.“

Er meldete sich nach einer Minute mit einer aktualisierten Fassung der Anschlußzüge, die überwiegend aus einer Liste längst verpaßter Züge bestand. Dann wandte er sich seinem Kollegen zu, vergaß aber leider, vorher das Mikrofon wieder auszuschalten: „So eine Scheiße. Manchmal bin ich es verdammt leid, für einen Drecksladen zu arbeiten und diesen Mist hier auszubaden. Vielleicht wäre Kloputzen doch keine so schlechte Alternative. Man macht seinen eigenen Fahrplan und weiß wenigstens vorher, daß dort Scheiße wartet.“

Standing ovations bei der Bahn, daß ich das noch erleben darf.

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