Was man bei diesen neumodischen Konferenzen zum Thema Communities auch lernen kann:
Holländische Berater verteilten gerne Tulpenzwiebeln als Werbegeschenke.
Die Tatsache, daß mindestens die Hälfte der Vorträge, vor allem aber sämtliche Keynotes auf Englisch gehalten werden, hindert die Veranstalter nicht daran, die Korrespondenz im Vorfeld und das gedruckte Programm ausschließlich in Niederländisch anzubieten.
Wir sind entgegen aller Befürchtungen noch nicht völlig im nächsten Hype gelandet. Es gibt zwar schon wieder vollbusige Blondinen, die den gestreßten Konferenzbesuchern kurze Massagen anbieten. Aber ich habe noch nirgendwo ein maßgeschneidertes Sofa mit Firmenlogo gesehen und die Give-away-Beutel am Ausgang der Konferenz lassen eher auf das Marketingbudget eines hochverschuldeten Drittweltlandes schließen. Mehr als von der Praktikantin schnell im Billigladen an der Ecke kopierte Flyer, die schon an den Ständen niemand mitnehmen wollte, waren nämlich nicht drin.
Die Frauenquote ist wesentlich höher als bei Geek-Konferenzen. Das ist aber nicht unbedingt schön, denn PR-Expertinnen besitzen keine Spiegel. Nur so ist zu erklären, daß sie weiße Cowboystiefel zu weinroten Seidenkostümen, schwarzen Netzstrümpfen unterm Jeans-Mini oder neonpinke Turnschuhe zu weißen Hosenanzügen tragen. Auch das vermehrte Auftreten von schwarzen Leggings unter so ziemlich jeder Art von Rock läßt weniger hartgesottene Besucher schaudern.
Männer hingegen glauben immer noch, daß sie durch T-Shirts mit Aufdrucken wie „Perverse Porn Star“ im Converse-Logo-Look ihre unglaubliche Individualität und Coolness unterstreichen können. Die über 45jährigen tauschen das T-Shirt lieber gegen längere, in Ehren ergraute und durch viel Gel zurückgehaltene Haare. Neu war mir allerdings, daß man als coole Marketingsau selbst zum Nadelstreifenanzug Flipflops tragen kann. Scheint aber konsensfähig zu sein, denn die Zahl männlicher Flipflopträger fernab jeglicher Art von Strandbar war erschreckend hoch.
Es ist übrigens ganz schlecht für die Herzfrequenz, aber gut gegen niedrigen Blutdruck, wenn man während des Vortrags nach dem Mittagessen sanft in einer der hinteren Reihen schlummert und dann plötzlich das eigene Gesicht überlebensgroß auf der Leinwand hinter dem Sprecher erblickt. Ich fühlte mich augenblicklich ertappt und hatte das schreckliche Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben. Hilfe, ich sollte doch hier nichts sagen, oder? ODER? Erst als „WM-WG in Berlin“ durch das Ohrensausen bis in mein Hirn drang, konnte ich den Drang unterdrücken, heimlich aus dem Saal zu kriechen. Sehr lustig hingegen, den Redner etwas später durch Zufall beim Kaffee zu treffen: „This might sound cheesy, but don’t I know you from somewhere?“ – „Oh yes, I’m part of your presentation, honey.“
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