Lyssas Lounge
new old cast guestbook email linksLinks
Lyssas Lounge Lyssas Wunschliste

 
mindestenshaltbar.net

Blogtalk Reloaded

XML
2006-10-26 - 22:49 - Mobil trotz Auto

Oh Mann, ich brauche vielleicht doch keine Sekretärin, sondern professionelle Betreuung zwischen dem Aufstehen um sieben und der Inbetriebnahme des Gehirns gegen zehn. Dann müsste ich nicht ratlos auf Socken durchs Sportstudio laufen und könnte dem Herrn am Empfang besagten Studios die richtige Karte anstelle meiner Krankenkassenkarte in die Hand drücken. Vielleicht könnte der/die Betreuende mir dann auch erklären, dass die Frau mit dem üppigen Hüftspeck über der knappen Jeans keine neumodische Schaufensterpuppe, sondern eine höchst lebendige Schaufensterdekorateurin ist. Das würde mir eine tiefe Stirnfalte und mehrminütiges Spekulieren über den Zustand dieser Welt ersparen.

Vielleicht könnte sich der Betreuer auch Marke, Modell und Farbe meines wöchentlich wechselnden Autos sowie Abstellfläche auf dem großen Parkplatz vor dem Studio merken, dann müßte ich nicht ganz so oft verzweifelt danach suchen. Bob, mein treuer, blauer, verbeulter Begleiter hat mich nämlich nach 11 gemeinsamen Jahren pünktlich zum ersten Arbeitstag verlassen. Der herzlose TÜV hätte ihn ohnehin sehr bald von der Straße verbannt, aber ich habe so lange die Augen vor der Realität verschlossen, bis ich mich als Fußgänger wiederfand – was in Wattenscheid kein besonders dankbares Schicksal ist.

Es ist zwar richtig, wie an anderer Stelle spekuliert, daß meine Familie nicht grad an Automobilmangel leidet, aber es reicht dann doch nicht, um mir immer ein Auto zur Verfügung zu stellen. Also muß ich gelegentlich auf das freundliche Angebot meines Autohändlers an der Ecke zurückgreifen und mir kurzfristig einen Leihwagen nehmen (bevor hier gleich wieder mit Schaum vorm Mund gerätselt wird: ja, ich bekomme einen Dienstwagen, aber der will sorgsam ausgewählt sein und muß dann ja auch erst geliefert werden). Die Art des Leihwagens schwankt dabei erheblich. Es war schon alles dabei von der luxuriös ausgestatteten Limousine über den extrem schnellen Sportwagen bis hin zum kleinsten Skoda-Modell. Das erleichtert das Auffinden des tagesaktuellen Autos schwer desorientierten Morgenmuffeln nicht unbedingt.

Es erleichtert auch die Bedienung des Gefährts im schlaftrunkenen Zustand nicht. Denn während im vereinigten Europa so ziemlich alles reguliert und din-genormt ist, dürfen Autohersteller in punkto Innenraumdesign scheinbar tun und lassen, was sie wollen. Und einige Hersteller tendieren dazu, diverse Knöpfe zugunsten der Optik möglichst versteckt unterzubringen. Ein schönes Beispiel dafür ist dieses optisch wirklich gelungene Ding namens Audi TT, das den Fahrer zwar sehr zügig von A nach B bringt (zumindest abseits der verstopften Hauptverkehrsadern im Ruhrgebiet), ihn dafür aber zur Lektüre des Bedienhandbuchs zwingt, bevor er die Fenster runterfahren darf. Die Knöpfe dafür sind nämlich so dermaßen unauffällig in der Tür versteckt, daß ich kürzlich vor der Schranke zum Sportstudio-Parkplatz den ganzen Verkehr aufgehalten habe und schließlich mit hochrotem Kopf aussteigen mußte, weil ich das verdammte Fenster nicht öffnen konnte (ich bitte vor heftigen Schmähungen zu bedenken, daß es noch nicht mal ganz acht Uhr morgens war).

Heute morgen wollte der TT dann neuen Sprit. Den wollte ich ihm auch gerne geben, aber er wollte lieber dumme Spielchen spielen und seinen Tankdeckel nicht öffnen (warum geht so was heute eigentlich nicht mehr einfach so mit einer Hand und einem Autoschlüssel?). Ich habe dann peinlich berührt die Kassiererin um Hilfe gebeten, die ihrerseits nach einigen Versuchen den Tankwart zu Hilfe holte. Der fummelte schweigend, aber sehr geschäftig wirkend ein wenig im Innenraum herum, verbreitete dabei einen zarten Ölgeruch und brachte diverse Lämpchen erfolgreich zum Leuchten, doch der Tankdeckel blieb fest verschlossen. Dank eines anderen Autofahrers standen wir schließlich sogar zu viert ratlos vor der störrischen Karosse. Erst als sich die Kassiererin todesmutig vor einem anderen TT auf die Straße stürzte und um Aufklärung bat, wurde das Rätsel gelöst. Irgendwo auf der Mittelkonsole, zwischen Taschentuchablage und der wirklich sehr eleganten Gangschaltung, befindet sich ein kleiner Knopf zum Öffnen des Tankdeckels. Vielleicht sollte ich darauf künftig einfach nicht ganz so viel Papier ablegen.

28 Zwischenrufe | 0 TrackBacks

zurück | vor

Schon gelesen?

2007-06-28 - In einem Taxi nach Paris Damaskus

2007-06-25 - Gruß aus Amman

2007-06-12 - Kumbayah mit Anfassen

2007-02-27 - Irmela Schwab und der Elektrakomplex

2007-01-08 - Mann zum Unter-die-Erde-Bringen gesucht