<?xml version="1.0" encoding="iso-8859-1"?>
<rss version="2.0">
   <channel>
      <title>Lyssas Lounge</title>
      <link>http://www.lyssas-lounge.de/peepshow/</link>
      <description>proud member of the pink mafia
</description>
      <language>de</language>
      <copyright>Copyright 2008</copyright>
      <lastBuildDate>Thu, 28 Jun 2007 01:28:36 +0100</lastBuildDate>
      <generator>http://www.sixapart.com/movabletype/?v=3.2</generator>
      <docs>http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss</docs>

      <item>
         <title>In einem Taxi nach Paris Damaskus</title>
         <description><![CDATA[<p>Die Konferenz in Amman war anstrengend. Wirklich großartig, aber auch sehr sehr anstrengend. Es gab ein straff durchorganisiertes, wirklich volles Programm, das man anders als bei vielen anderen Konferenzen auch nicht schwänzen wollte, weil sowohl Themen als auch Teilnehmer einfach zu interessant waren. </p>

<p>So gern ich auch bei diesen ganzen Web 2.0 Konferenzen herumspringe, wirklich Neues lernt man da nur sehr selten. Meist ist das eher eine Art heiteres Familientreffen und es gibt Menschen, die ich leider wirklich nur bei diesen Gelegenheiten treffe. Die Konferenz hier war ganz anders. Ja, es wurde auch über Weblogs diskutiert und ja, der Graben mit genervten Journalisten auf der einen und fahnenschwenkenden Bloggern auf der anderen Seite scheint ein sehr universeller Graben zu sein, aber darüber hinaus erinnerte nichts an die sonstigen Konferenzen.</p>

<p>Die Teilnehmer kamen aus fast allen arabischen Ländern, hatten meist einen journalistischen oder wissenschaftlichen Hintergrund und niemand hatte eine Exit-Strategie für sein berufliches Dasein, in der die Worte „Google“ und „verkaufen“ vorkommen. Statt dessen wurden viele kluge Dinge gesagt, die einen auch das eigene Tun noch mal neu bewerten lassen. Bei den vielen Gesprächen drumherum wurde dann endlich mal die eine oder andere winzige Tür zu einer mir bislang eher unbekannten Kultur aufgemacht und ich hoffe sehr, daß man sich bald mal wieder begegnet (an dieser Stelle nochmals ganz herzlichen Dank an die <a href="http://cms.ifa.de/">Veranstalter</a>!).</p>

<p>Einen Teilnehmer werde ich allerdings schon gleich morgen wiedersehen. Ich teile mir nämlich mit Yassar, einem jungen Filmemacher aus Syrien, ein Taxi nach Damaskus. Ja genau, ein Taxi. Die berühmt-berüchtigte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hedschasbahn">Hedschasbahn</a>, mit der ich unbedingt fahren wollte, fährt wohl nun trotz anderslautender Gerüchte doch nicht und die Flüge sind alle übervoll. Also bleibt wohl nur ein Taxi (soll auch erheblich billiger sein als Fliegen), denn nach Damaskus will ich auf jeden Fall. Bleibt nur zu hoffen, daß man mich auch an einem anderen Grenzübergang als dem ursprünglich beim Visumsantrag angegebenen ins Land lässt. </p>

<p>Details hier, sobald ich wieder im Netz bin, und zwischendurch in Kurzform auch <a href="http://twitter.com/lyssaslounge">hier</a> und bildlich immer mal wieder <a href="http://www.flickr.com/photos/41591057@N00/">hier</a>.<br />
</p>]]></description>
         <link>http://www.lyssas-lounge.de/peepshow/archiv/000852.html</link>
         <guid>http://www.lyssas-lounge.de/peepshow/archiv/000852.html</guid>
         <category></category>
         <pubDate>Thu, 28 Jun 2007 01:28:36 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Gruß aus Amman</title>
         <description><![CDATA[<p>Vermutlich wird es hier in den nächsten zwei Wochen häufigere, dafür deutlich kürzere Einträge geben. Das hängt allerdings nicht allein von mir, sondern vor allem von der Internetverfügbarkeit ab. Ich bin nämlich gestern abend in Amman, Jordanien gelandet. Die ersten drei Tage verbringe ich direkt in der jordanischen Hauptstadt auf einer Konferenz (ohne Netzprobleme, sieht man mal von dem leidigen VPN-Thema ab). Der deutsch-arabische Mediendialog hat Weblogs als Schwerpunktthema und ich bin vor allem gespannt auf das Panel über Warblogs. Zum Frühstück gab es schon erste interessante Diskussionen über Pressefreiheit anlässlich eines neuen <a href="http://www.jordantimes.com/sun/homenews/homenews3.htm">„Access to information“</a>-Gesetzes hier in Jordanien.</p>

<p>Mit dabei sind übrigens auch <a href="http://www.sixtus.net/entry/898_0_1_0_C/">Mario Sixtus</a> und Alexander von Streit, der Ressortleiter Digital von <a href="http://www.focus.de/">Focus Online</a> und wir waren uns alle erfrischend einig darin, wie man die lange Wartezeit vor dem Flug am besten überbrückt. </p>

<div align="center"><img alt="Ammanflug.jpg" src="http://www.lyssas-lounge.de/peepshow/archiv/Ammanflug.jpg" width="434" height="326" /></div>

<p>Am Donnerstag beginnt dann der angehängte Urlaubsteil mit der Weiterreise nach Damaskus. Sonntag abend geht es zurück nach Jordanien für eine weitere Woche, über deren genauere Gestaltung recht spontan entschieden wird. Vorschläge sind also herzlich willkommen. Auf jeden Fall will ich ans tote Meer und weiter in den Süden nach Petra und Wadi Rum.<br />
</p>]]></description>
         <link>http://www.lyssas-lounge.de/peepshow/archiv/000851.html</link>
         <guid>http://www.lyssas-lounge.de/peepshow/archiv/000851.html</guid>
         <category></category>
         <pubDate>Mon, 25 Jun 2007 12:09:33 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Kumbayah mit Anfassen</title>
         <description><![CDATA[<p>Ich war 14, als ich das erste (und bis zum letzten Donnerstag einzige) Mal zu einem evangelischen Kirchentag fuhr. Meine innige Beziehung zur Kirche hatte seit der Konfirmation und dem damit verbundenen Ende der sonntäglichen Gottesdienstpflichtbesuche deutlich gelitten. Ich fuhr eher aus Reiselust (Frankfurt, große, weite Welt), Abenteuerdrang (Ebbelwoi und unbeaufsichtigte Gruppenübernachtung in einer Schulturnhalle) und der Verbundenheit zu meiner besten Freundin, deren Kirchengruppe zu der Reise geladen hatte. </p>

<p>Ich war 14 und genau zwei Tage lang leicht zu beeindrucken. All die Menschen mit dem beseelten Gesichtsausdruck und einem fröhlichen Kumbayah auf den Lippen mussten doch irgendwas wissen / können / haben, was mir bislang verborgen geblieben war (wir erinnern uns dunkel, ich <a href="http://www.lyssas-lounge.de/peepshow/archiv/000127.html">las mit 14 bevorzugt Rilke</a> und gab mich meiner Schwermut sowie dem in den 80ern üblichen Erdbeerteerausch hin). Also stürzte ich mich kompromisslos in das Meer aus orange- und lilafarbenen Mottoschals, ließ mich von der Begeisterung der Massen angesteckt von Bibelarbeit zu Bibelarbeit tragen und kam höchstens mal kurz bei einem peruanischen Panflötenkonzert oder bei der ökologisch korrekten Gemeinschaftsspeisung zur Ruhe.</p>

<p>Am dritten Tag setzte stressbedingtes Nasenbluten ein, eine der vielen Geißeln meiner schambehafteten Pubertät. Ich blutete mehrmals täglich, bevorzugt zur Unzeit, munter und durchaus thrillertauglich aus beiden Nasenlöchern, was meinen Eifer beim Umarmen meiner neuen Brüder und Schwestern im Geiste deutlich dämpfte. Auch Harfenkonzerte waren gestrichen, seit ich erschöpft auf der Fensterbank eingeschlafen war und dem vor und halb unter mir Sitzenden im Schlaf sanft tröpfelnd den Nacken befeuchtet hatte. Ich verbrachte statt dessen viel Zeit außerhalb der heiligen Hallen bei weniger beseelten Sanitätern.</p>

<p>Dort hatte ich genügend Freiraum mich zu fragen, was das kollektive Endorphinhoch eigentlich bringen sollte. Wem nützen die oft vehement vorgebrachten, aber vorsichtshalber keinem reality check unterzogenen politischen Forderungen, außer vielleicht dem Wohlgefühl der versammelten Gutdenker? Hat das noch irgendwas mit dem Alltag von Christen oder Gemeinden zu tun? Wie groß ist diese Good-Vibrations-Eso-Industrie im kirchlichen Umfeld? Läßt sich Afrika wirklich gesund tanzen? Und falls ja, muss man unbedingt in Birkenstock tanzen?</p>

<p>Als ich letzten Donnerstag durch die Kölner Messehallen lief, um zu meiner Podiumsdiskussion zu gelangen, wurde ich sofort wieder an damals erinnert. Glücklicherweise ohne Spontanblutung. Ich fühlte mich wie ein schwarzer Fremdkörper inmitten von sehr viel Made-in-India-Orange, garantiert fair gehandeltes Orange natürlich. Die zahllosen „Knuddeln gratis“-Leibchen ließen mich eher an StudiVZ denn an theologische Diskussionen denken. Die politischen Forderungen sind nahezu dieselben geblieben, werden immer noch genauso selbstüberzeugt und realitätsfern vorgetragen, und der Einfluß der Veranstaltung auf den kirchlichen Alltag oder die Politik liegt noch immer nicht im messbaren Bereich. </p>

<p>Die Beziehung zu meiner Kirche ist seit dem Besuch in Frankfurt deutlich besser geworden, am gespannten Verhältnis zum Kirchentag wird sich wohl nichts ändern, solange sich der Kirchentag nicht deutlich ändert. Etwas weniger Kumbayah mit Anfassen, bitte, und etwas mehr ernsthafte Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen anstelle von simplifizierten Forderungen, die der Komplexität unserer Probleme nicht mal im Ansatz gerecht werden. Letzteres ist nämlich ein Privileg von Rockstars.<br />
</p>]]></description>
         <link>http://www.lyssas-lounge.de/peepshow/archiv/000850.html</link>
         <guid>http://www.lyssas-lounge.de/peepshow/archiv/000850.html</guid>
         <category></category>
         <pubDate>Tue, 12 Jun 2007 08:02:48 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Irmela Schwab und der Elektrakomplex</title>
         <description><![CDATA[<p>Liebe Irmela Schwab,</p>

<p>Sie haben geschafft, was ich kaum noch für möglich gehalten hätte: Ich sitze dank Ihres Rührstücks in der heutigen Ausgabe der <a href="http://www.sueddeutsche.de/">Süddeutschen Zeitung</a> („Lyssas wilder Westen“) nach einem sehr langen Arbeitstag mitten in der Nacht noch an einem Blogeintrag (im Gegensatz zu dem, was Sie im Artikel schreiben, blogge ich nämlich leider schon seit geraumer Zeit nicht mehr beinahe täglich als „radikal-exhibitionistische Lyssa“). </p>

<p>Das dürfen Sie jetzt aber bitte nicht voreilig als Kompliment werten. Ich sage das nur sicherheitshalber so deutlich, weil Sie sich in dem Interview als erstaunlich ironie- und humorresistent erwiesen oder zumindest ironische Aussagen mit übergroßer Ernsthaftigkeit zitiert haben („Zuweilen überfällt Borchert, ..., nach eigenem Bekunden trotzdem der Drang, sich auf den Fußboden zu werfen, mit den Fäusten um sich zu schlagen und laut zu brüllen.“).<br />
Überhaupt dieses Interview ... Warum, liebe Frau Schwab, rede ich eigentlich gut eine Stunde mit Ihnen, wenn Sie anschließend nicht mal die allereinfachsten Fakten korrekt wiedergeben können? Haben Sie mal die Anschaffung eines Aufnahmegerätes in Erwägung gezogen, wenn schon Notizen und Gedächtnis nicht besonders zuverlässig sind? </p>

<p>Ja, Sie haben recht, es ist eigentlich völlig egal, ob ich nun im Juni oder im April zum ersten Mal mit „aphrodisierten WAZ-Managern“ telefoniert habe, daß mein gebeutelter Freund beruflich mit Unternehmensberatung noch weniger zu tun hat als ich, daß ich erst ab 96 und nicht schon 95 beim Internet Programm gearbeitet habe usw. Aber Sie schreiben hier für die Süddeutsche, eine meiner liebsten Zeitungen, die sich meines Wissens noch nicht vom Qualitätsjournalismus verabschiedet hat und da darf man dann schon etwas Faktentreue erwarten. Vor allem, da diese Zeitung sich schon mal genüßlich über <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/631/90541/">Fehler in der Wikipedia</a> ausläßt.</p>

<p>(Und was haben Sie eigentlich mit dem armen Herrn Argirakos veranstaltet? Bei Gesprächen mit mir zeigt er sich nie so „aphrodisiert“, am Web 2.0 kann es also, anders als von Ihnen vermutet, nicht liegen. Aber vielleicht behagt ihm auch nur mein „strenger Look“ nicht.)</p>

<p>Und wenn Sie schon acht Monate nach allen anderen Medien auf die weltbewegende Tatsache aufmerksam machen („ans Tageslicht gekommen ist ...“), daß ich nicht nur einen Vater habe, sondern dieser sogar ein öffentliches Amt bekleidet, dann verrate ich Ihnen auch gleich noch eine reizende Anekdote aus meiner bewegten Wattenscheider Kindheit: Ich habe nämlich mit 12 Jahren beschlossen, auf gar keinen Fall Politiker werden zu wollen, weil ich diese furchtbaren Homestories so leid war, für die man immer extra aufräumen und sich ordentlich anziehen mußte. Nie hätte ich erwartet, daß mich gut 20 Jahre später eine Büro-Schmonzette der SZ ereilen würde. </p>

<p>Aber wissen Sie, worin der entscheidende Unterschied zwischen damals und heute besteht? Nein? Ich verrate es Ihnen. Der Mann von der BamS hat damals ehrlich gesagt: „Kind, setz dich mal fürs Foto ans Klavier und tu wenigstens so, als würdest du spielen.“ Sie hingegen haben mit keinem Wort darauf hingewiesen, daß wir nur so tun, als würden wir ein ernsthaftes Interview führen.</p>

<p>Aber wahrscheinlich liegt des Rätsels Lösung im Artikel selbst. Wie lassen Sie meinen Vater doch so schön staatsmännisch sagen: „Die Leute machen sich nun einmal das Bild von einem, das ihrer Erwartungshaltung entspricht.“</p>

<p>Es grüßt ganz herzlich aus Wattenscheid (Sie wissen schon, „ganz nah bei Papa“),<br />
Ihre radikal-exhibitionistisch grünteetrinkende Lyssa</p>]]></description>
         <link>http://www.lyssas-lounge.de/peepshow/archiv/000849.html</link>
         <guid>http://www.lyssas-lounge.de/peepshow/archiv/000849.html</guid>
         <category></category>
         <pubDate>Tue, 27 Feb 2007 23:53:40 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Mann zum Unter-die-Erde-Bringen gesucht</title>
         <description><![CDATA[<p>Gesund ins neue Jahr gestartet, bloß um dann gleich richtig krank zu werden. Nachdem ein langes Wochenende im Bett mit viel Fencheltee nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat und mein Taschentuchverbrauch weiterhin kriminelle Ausmaße hat, habe ich mich heute auf Druck von Freunden, Eltern und meiner sonst wesentlich freundlicher dreinblickenden Assistentin zum Arzt geschleppt. Ich warte normalerweise ja lieber, bis die Krankheit ernst ist und den Besuch bei einem Facharzt rechtfertigt, weil Fachärzte im Gegensatz zu Hausärzten wenigstens in der Lage sind, ihre Praxis so zu organisieren, daß die Wartezeit deutlich unter einer Stunde liegt. Bei Hausärzten fängt der Spaß dann erst so richtig an.</p>

<p>Aufgrund des sozialen Drucks also zum ersten Mal seit langer Zeit wieder zum Hausarzt und siehe da, nur das Datum auf den Ausgaben der Lesezirkelzeitungen hat sich geändert, die Rentnerclique sieht verdächtig bekannt aus. Die Themen sind es auch. Man redet viel und engagiert über die fehlgeschlagene Eingemeindung Wattenscheids, die es wegen der krassen Schlechtbehandlung durch die Bochumer dringend rückgängig zu machen gilt. Sollte doch kein Problem sein, schließlich liegt das Ereignis erst knapp 32 Jahre zurück. </p>

<p>Noch weiter zurück liegt da schon „die gute alte Zeit“, in der Jugendliche noch anständig erzogen wurden und ehrliche Arbeit auch wirklich belohnt wurde. Die zusammengesunkene Dame zu meiner Rechten röchelt mit ihrem verbliebenen Lungenflügel und hustet dann ein „schade nur, daß der Krieg alle guten Ansätze zunichte gemacht hat“ in ihr Taschentuch mit blauer Stickerei. Alle Anwesenden jenseits der 80 seufzen. „Und dann die Verschwendungssucht heute. Denen wünsche ich allen mal die Erfahrung von ´47. Da haben wir altes, trockenes Brot wie feinsten Kuchen genossen“, ergänzt der Asthmatiker mit Beinprothese zu meiner Linken.</p>

<p>Leider kann ich mich nicht genau erinnern, wie die Diskussion von den Hungertagen zu den Bayern gelangte, sicher ist nur eines, Undankbarkeit prägt die heutige Zeit. Im konkreten Fall die Undankbarkeit der arroganten Bergvölker jenseits des Weißwurstäquators. Die nämlich wissen heute gar nicht mehr zu würdigen, daß die Bergleute aus dem Pott damals mit ihrem hart erarbeiteten Geld überhaupt erst so etwas wie eine Touristikindustrie auf der Alm möglich gemacht haben. Ohne den Bergmann keine Almidylle. Und was ist der Dank? Der Service ist schlecht, die Betten zu weich, das Schnitzel zu dünn und bestimmt schummeln die auch bei der Füllhöhe vom Bier. Kann man ja nicht so genau erkennen in diesen grauen Krügen. </p>

<p>Die Dame gegenüber hustet im Duett mit der rechts und fragt dann interessiert: „Haben Sie auch seit Wochen diesen gelblichen Auswurf?“ (Warum habe ich bloß den ipod im Büro gelassen?) Die Männer sind noch beim Alkohol und schimpfen auf den Arzt, der ihnen die letzte Lebensfreude durch striktes Alkoholverbot nehmen will und dann auch noch glaubt, daß sich einer daran hält. Man hat ja sonst nix mehr, denn Schnitzel, egal wie dünn, sind auch verboten. Cholesterin und so. Aber sterben muß man eh und das bringt die Diskussion wieder so richtig auf Touren. Sterben kann sich heute nämlich keiner mehr leisten, weil die Begräbniskosten so hoch sind. </p>

<p>Deshalb geht der Mann mit der Auswurffrau regelmäßig auf Tour, um frühzeitig in Erfahrung zu bringen, wo was wieviel kostet. Er verspricht, nächste Woche die Adresse dieses sensationell günstigen Steinmetzes in Gelsenkirchen mitzubringen, bei dem sie schon seine Oma ihren Grabstein gekauft haben. Und er empfiehlt, heruntergesetzte Blumen kurz vorm Verwelken zu kaufen, weil bei Oma und ihrem Grabstein mehr die Geste als die Optik zählt. Die Dame rechts kommt hinter ihrem bestickten Taschentuch hervor und rät ganz dringend zu einem Grab in der Nähe des Wohnortes. Schließlich stirbt der Mann immer zuerst und als Kavalier will man der gebrechlichen Witwe doch keine langen Touren mehr zumuten. „Sie sind ja noch so jung, das interessiert Sie hier ja alles nicht“, sagt sie in meine Richtung. Dann schielt sie auf meine Hand: „Ach je, Sie müssen ja erst mal einen Mann finden, den Sie dann unter die Erde bringen können.“ </p>]]></description>
         <link>http://www.lyssas-lounge.de/peepshow/archiv/000848.html</link>
         <guid>http://www.lyssas-lounge.de/peepshow/archiv/000848.html</guid>
         <category></category>
         <pubDate>Mon, 08 Jan 2007 23:33:31 +0100</pubDate>
      </item>
      

</channel>
</rss>